
Ahoi Jungens.
Das ich der Johannes bin kann Mensch ja spätestens im Titel dieses Posts
erkennen, aber erzählt meiner treuen Leserschaft doch mal wer ihr überhaupt seid.
Torsten: Hallo treue Leserschaft, ich bin der Torsten und gehöre euch, respektive uns, dann auch selbst an, das ich die locked groove Seite auch gerne selbst mal aufrufe und stöbere. Ich komme aus Köln, bin 23 Jahre jung und absolviere derzeit ein Duales Studium. Den großen Teil meiner Freizeit stecke ich in das kleine Webradio .dunctonwood, was es mir Möglich macht mich andauernd mit meiner Leidenschaft, der Musik, zu beschäftigen.
Benni: Guten Tag Johannes! Ich bin Benni, einundzwanzig Jahre alt und ich wohne noch in Grevenbroich. Das klingt allerdings schlimmer als es ist. Ich arbeite bei einer Konzertagentur und mache selbst Musik bei City Light Thief (Danke für das liebe Review hier!) und Vs.Rome. Bei .dunctonwood bin ich von Torsten ganz am Anfang der Geschichte rekrutiert worden, also seit “Fast Anfang an” dabei.
Um uns hier einzustimmen stell ich euch jetzt erstmal die Frage, die euch wahrscheinlich jeder stellt. Wie und vorallem mit welcher Motivation seid ihr an das Radioprojekt “Dunctonwood” rangegangen und wo kommt der Name eigentlich her?
Torsten: Die erste Frage bekommen wir tatsächlich oft gestellt, die zweite seltener. Die ist aber einfacher zu Beantworten: Dunctonwood ist der Titel meines Lieblingsbuches. Da der Name eine gewisse Atmosphäre hat fand und finde ich ihn sehr passend zu unserem Projekt. Habe nur noch eben die Schreibwweise verändert, und fertig war der Name des Radios. Deine erste Frage ist nicht so einfach zu beantworten, da haben viele Aspekte reingespielt. Primär war es die Neugier, denn mein Freund Benni, der heute beim Interview neben mir sitzt, hatte damals bereits vor mir eine eigene Radiostation, als laut.fm noch in der Anfangsphase stand. Der hatte sichtlichen Spaß an der ganzen Sache, und da ich kurz vorher ein anderes Projekt rund um Musik beendet hatte war da ein Loch in meiner Freizeitgestaltung. Das wollte gefüllt werden, und da war so ein Radio natürlich die perfekte Möglichkeit. Mich hat also vor allem Neugier dazu bewogen, so etwas auf die Beine zu stellen. Und mit der Zeit hat es mich dann gefesselt, vor allem die Entwicklung von .dunctonwood motiviert einen immer wieder aufs Neue.
Benni: Ich selbst habe das Buch Dunctonwood noch gar nicht gelesen, sollte ich mal nachholen. Torsten hatte diese Namensidee schon fix im Kopf, und ich war von Anfang an sehr zufrieden damit. Der Name klingt “anders” und irgendwie spannend. Find ich super. Vor gefühlten Ewigkeiten, als das laut.fm Radioprojekt angefangen hat, waren der Kai (der jetzt bei .dw die tollen Sendungen bukowski pop und firewood macht!) und ich zwei der ersten DJs auf dem Portal. Wir hatten beide unsere eigenen kleinen Radios. Anfangs mit nur 2 Stunden Playlist, später dann mit so ca. 48 Stunden. Um uns selbst auf die Schulter zu klopfen: Wir standen am Anfang von den laut.fm Radios wochenlang auf Position 1 und 2 der Radiocharts. Haha! Torsten hatte halt daraufhin die geniale Idee, so eine Radiostation mit mehreren Leuten aufzuziehen, wie einen “echten” Radiosender halt, mit “Mitarbeitern”, die für die musikalische Vielfalt sorgen. Wir waren vom Fleck weg begeistert und sind eingestiegen. Ich glaube ein großer Teil der Faszination hinter der Sache ist, dass es trotz der riesigen Mp3-Sammlungen, die jeder auf dem Computer hat, scheinbar immernoch Bedarf an Radio besteht. Es gibt immernoch Leute, die ein offenes Ohr für neue Bands haben, und das ist irgendwie… schön!
Also, wenn ich es den Antworten richtig entnehme kanntet ihr beiden Pappnasen euch schon vorher! Wie seid ihr denn an die anderen Leute gekommen und was muss Mensch denn nun tun um bei euch eine Sendung zu bekommen?
Benni: Das Team ist anfangs echt schnell gewachsen: Die ersten weiteren Teammitglieder kamen aus unserem direkten Freundeskreis. Jeder kannte so ein paar Leute, die einen spannenden Musikgeschmack und genügend Missionarsdrang hatten, um eine Radiosendung zu betreuen. So entstand der „Grundstock“ des Teams, mit beispielsweise Alex und Phi Tan, zwei sehr aktive DJs bei uns. Danach kamen dann ein paar Leute auf uns zu, die von uns gehört hatten, und spannende Sendungskonzepte mitgebracht haben. So kamen auch ein paar Leute „von außerhalb“ dazu. Natürlich muss die Chemie auch stimmen. Wenn wir wieder Sendeplätze frei haben, kommunizieren wir das über alle unsere Onlinekanäle – dann reicht eine liebe Mail an uns, wo man vorstellt, was für eine Sendung man plant. Dann schauen wir weiter. Potenziell sind wir aber immer auf der Sache nach spannenden neuen Ideen, also bitte melden, wenn wer eine gute hat!
Torsten: Wobei man schon dazu sagen muss: Der Kern des Team kennt sich schon länger und kommt zum großen Teil aus dem Raum Köln. Wir haben das ganze von Anfang an sehr familiär aufgebaut und gerade das ist unsere Stärke. Nur deswegen können wir neue Leute, die keiner aus dem Team kennt, schnell integrieren, was in den meisten Fällen auch hervorragend klappt. Wenn ein Sendeplatz frei ist, dann überlegen wir zuerst, ob wir nicht jemanden kennen, der nicht Lust darauf hätte bei uns mitzuwirken, und fragen dann direkt. So sind schon viele, die uns von Anfang an begleitet haben, in unsere Familie integriert worden.
Wenn ihr von „Kern“ des Teams und „sehr aktiven DJs“ redet, stellt sich bei mir die Frage wie das ganze denn überhaupt strukturiert ist. Versteht ihr euch mehr als Kollektiv, oder gibt es schon eher den, wie ihr es nennt, „Kern“ des Teams, der alles organisiert und die normalen Djs die „einfach“ nur ihre Sendungen durchziehen?
Torsten: Es ist viel mehr ein Kollektiv, wobei wir lieber den Ausdruck Familie wählen. Natürlich ist es so, das es Teammitglieder gibt, die mehr Zeit investieren, sich mehr einbringen und damit insgesamt präsenter sind. Das liegt aber auch einfach daran, das .dunctonwood ein Freizeit-Projekt ist, ein Hobby, und nicht jeder sich im gleichen Maße einbringen kann oder will. Ich denke bei euch wird es ähnlich sein, das manche Autoren wesentlich aktiver und regelmäßiger etwas veröffentlichen als andere. Es gibt natürlich bei uns den einen oder anderen DJ, der sich an der Gestaltung des Projektes wenig beteiligt und sich primär auf seine Sendung fokussiert. Das ist für uns immer ein wenig Schade, da .dunctonwood von den verschiedenen Charakteren, Fähigkeiten und Ansichten profitiert und daraus Kraft schöpft. Leider ist auch bei den entsprechenden Teammitgliedern die Fluktuation höher als bei denen, die sich sehr aktiv beteiligen. Denn die Motivation kommt bei uns stark aus dem miteinander, dem gemeinsamen Weg. Auf der einen Seite dadurch, das wir im Forum alles als Team ausdiskutieren, auf der anderen Seite das die ganze Sache zusammen wächst, man nette Leute näher kennen lernt und gemeinsam etwas packt. Jeder Hörer ist ein gemeinsamer Erfolg. Auch abseits vom Radio machen wir viel zusammen, so haben wir letzten Sommer ein Fußballturnier mit ein paar Bands veranstaltet oder haben derzeit eine Team-interne Fifa-Liga am laufen. Und da sitzen dann nicht nur Leute zusammen, die sich vorher schon kannten, sondern jeder wird integriert.
Desweitern erinnere ich mich noch an Torstens Vorstellungsmail in der stand, ich zitiere: “Weil wir ein paar nicht-mehr-ganz-Kids sind, die nicht nur labern und versuchen die tightesten zu sein, sondern weil wir uns den Arsch aufreissen um im kleinen was zu bewegen. Weil wir uns Mühe geben, unseren Lieblingsbands eine Plattform zu bieten, und damit eigentlich Blutsverwandte von euch sind. Weil wir uns nicht kleinkriegen lassen, sondern seit nun über einem Jahr in kleinen Schritten versuchen unseren Traum zu verwirklichen.” Da diese Aussage von selbst kam frage ich mich nun hattet ihr schon mit diesen Vorurteilen zu kämpfen?
Torsten: Wir haben teilweise schon mit Vorurteilen zu kämpfen, aber das ist eigentlich nicht die Intention gewesen, so etwas zu schreiben. Viel mehr soll es unsere Attitüde unterstreichen, das wir mit dem Radio nicht bloß nach kurzfristiger Aufmerksamkeit heischen, sondern mit viel Herzblut versuchen etwas gutes und langlebiges zu schaffen. Allgemein ist es in der, man verzeihe mir diesen Anflug von Schubladendenken, Szene, ja oft so, das es genug Leute gibt die sich viel auf ihre Fahnen schreiben, im Endeffekt aber wenig Inhalt zu entdecken ist. Ich meine, nur weil man umsonst eine Location bekommt, Brötchen und 3 Packungen Aufschnitt kauft, 2 hippe Bands aus der Nachbarschaft und eine noch viel hippere Band von weit weit weg einlädt und sich dann freut, das die Bands dafür gesorgt haben das 10 Leute da sind, ist man ja noch lange kein Veranstalter. Klar, wir reißen auch keine Bäume aus, aber wir bemühen uns Bands bei uns auftreten zu lassen, die nicht alle zwei Tage im Raum Köln in irgend einem JuZe spielen.Für unser nächstes Konzert hatten wir beispielsweise noch einen Slot frei, also haben wir die Jungs von Caleya gefragt ob sie nicht vorbeikommen wollen – aus Hamburg. Finanziell für ein kleines Projekt in der Kinderschuhe wie uns ein Wagnis, aber ich denke ich spreche für jeden von uns im Team wenn ich sage das es richtig ist, ihnen diese Chance zu bieten. Das schöne ist, dass man davon ausgehen kann das bei Caleya, obwohl sie als Opener spielen und sie hier in der Region noch kaum jemand kennt, schon eine ganze Menge da sein werden und die sich die Band auch angucken. Weil wir es geschafft haben mit .dunctonwood interessierte und offene Musikhörer zu erreichen, die nicht sofort abschalten wenn sie mal etwas nicht kennen. Und darauf sind wir verdammt stolz und sind sehr dankbar dafür, das uns solch gute Menschen Aufmerksamkeit schenken. Denn wenn man sich die „Alternative Szene“ im Moment so ansieht, da fragt man sich, wozu das denn noch die Alternative sein soll.
Über den Wandel der „Alternativen-“ oder „Hardcoreszene“ hört/liest man in letzter Zeit immer wieder. Wie steht ihr dazu? Ist „Hardcore“ in? Wird es zum Modeprodukt?
Benni: Hui, toughe Frage. Mit einer falschen Antwort verscherze ich’s mir jetzt bestimmt bei manchen, haha. Man kann sicherlich Romane darüber schreiben, aber ich versuche mich kurz zu halten: Ich bin und war nie Teil der „Hardcoreszene“, bin also vielleicht auch nicht der Richtige um darüber Urteil zu fällen. Aber ich es gibt einige Bands im Hardcore Bereich, die ich äußerst gerne hören, weshalb ich ab und an mal auch auf so Shows anzutreffen bin. Und ehrlich gesagt: Äußerst oft kommts mir da hoch. Das Selbstdarstellertum auf diesen Konzerten kennt ja jeder nur zu gut. Meiner Meinung nach ist das vollkommen lächerlich. Aber okay – das ist jedem freigestellt, wie er dort „tanzt“ oder was für Klamotten er trägt. Solang er nur keinen Schaden bei anderen anrichtet muss man das irgendwie akzeptieren, auch wenn mans blöd findet.
Allerdings sehe ich auch schon wieder einen Trend vom Hardcore-Poser-Kids weg: Die Kids, die jetzt mit 15 harte Musik hören wollen, machen den Umweg über Hardcore gar nicht mehr. Die hören jetzt direkt so Kajal-Deah-Crabcore-Scheiße. Und wirklich: das ist der letzte Schrott und kann beim besten Willen nicht mehr als ernst genommen werden. Wenn ich noch einen „Ultra-Slow-Breakdown“ hören muss, muss ich leider kotzen.
Um zum Punkt zu kommen: Ja, Hardcore ist sicherlich nicht so Underground wie es mal war, aber das hat ja auch gute Seiten: Beispielsweise schaffen es viel mehr ausländische Bands auch mal nach Deutschland, weil es hier halt eine große Hörerschaft für diese Musik gibt.
Torsten: Ich sehe noch ganz andere Probleme in der Hardcore-Szene, und zwar vor allem bei der Einstellung der Leute. Ein Thema, über das man lange reden kann. Aber wenn ich mir angucke, das sich irgendwelche Homophoben Machos auf die Fresse geben, dann frage ich mich was das soll? Es ist schlimm, das es Projekte wie gay edge liberation geben muss. Genau so gut ist es natürlich, das es sie gibt, und das Leute auf so Missstände aufmerksam machen. Diese Null-Toleranz-Schiene und das elitäre Abgrenzen, das ist wahnsinnig schade. Wir veranstalten auch Shows, und da haben uns schon Bands abgesagt, weil auch eine Indie-Band spielen sollte und die das Gefühl hatten, das passt nicht. Die Indie-Band hat übrigens aus den selben Gründen dann ebenfalls abgesagt. Aber ich schweife ab, es geht um den Wandel, und nicht um die generellen Probleme der Hardcore-Szene. Ja, ich finde da gibt es einen Wandel, aber ich würde diese neue, nennen wir es mal Bewegung, nicht mehr Hardcore nennen. In meinen Augen ist Hardcore immer noch etwas, das sich nicht nur darüber definiert, das wer schreit, sondern das die Band eine gewisse Attitüde hat. Für mich verkörpert Hardcore Respekt, Rücksicht und Toleranz, also nicht nur Sachen die Hardcore-Bands verkörpern, sondern auch meine Eltern mir vor gelebt haben. Das sind Sachen, für die heutige Bands gar nicht mehr stehen, wenn ich mir eine Band wie A Day to remember angucke, dann ist das in meinen Augen kein Hardcore mehr, sondern inhaltslose Feiermusik. Die ganzen Kids, die solche Bands abfeiern, die sind ja quasi an diesem Punkt eingestiegen. Das soll nicht abwertend klingen, ich kann durchaus verstehen das man solche Musik gut findet, aber es ist eben ein ganz klarer Bruch zu unserer „Generation“, die noch mit Refused, At the Drive-In oder Have Heart aufgewachsen ist. Und ja, ich denke das Hardcore in einigen Bereichen ein Modeprodukt ist.
So. Vielen Dank an euch Jungs für das Interview und die ausführliche Beantwortung meiner Fragen. Ich drücke euch die Daumen für alles weitere. Noch ein paar Schlußworte von euch vielleicht?
Torsten: Ich möchte mich zuerst bei dir für dieses Interview bedanken, ich fand die Fragen sehr spannend und die Beantwortung hat mir großen Spaß gemacht. Dazu möchte ich mich bei Team, Unterstützern und Hörern von ganzen Herzen für ihre Unterstützung danken. Und ganz besonders möchte ich mich bei unserem Grafiker Reno (avantgarde87.de) und unserem Webmaster Patrick bedanken, die eine unglaublich gute Homepage sowie ein fantastisches MySpace-Layout gezaubert haben und dabei sicher das eine oder andere mal der Verzweiflung nahe waren. Ich freue mich auf die nächsten, sicherlich spannenden Wochen. Und ganz zum Schluß möchte ich noch einmal allen ans Herz legen: Unterstützt Projekte mit Herzblut, geht auf Shows und zeigt so Bands, warum sie sich die ganzen Strapazen auf sich nehmen. Wenn euch die Band gefällt, die ihr gerade heruntergeladen habt, dann kauft euch doch bitte das Album. Und wenn eine Band 200 km für eine Show fährt, dann sollten für euch 1/10 der Strecke kein Problem sein. Und wenn ihr dann auf der Show seit, dann wünsche ich euch ganz viel Spaß.
Benni: Viel mehr bleibt mir nicht hinzuzufügen. Vielen Dank für die Unterstützung von eurer Seite und von denen, die .dunctonwood als das sehen, was es ist: Ein Projekt von Liebhabern für Liebhaber. Es ist toll, dass ihr trotzdem einschaltet, obwohl auf euren Festplatten Gigabyte um Gigabyte an Mp3’s lagern. Das ist keine Selbstverständlichkeit, das wissen wir. Und sind gerade deshalb unglaublich dankbar dafür, wie das alles funktioniert.
.Johannes